xTool M2: Der Lasercutter, der auch den Drucker ersetzen will
Der neue xTool M2 vereint Diodenlaserschneiden, optionales Infrarotmarkieren und CMYK-Druck auf einer kameragestützten Plattform. Wir zeigen Stärken und Grenzen.

Am 15. Juli 2026 stellte xTool den M2 vor. Hinter dem Desktop-Gerät steckt eine einfache Idee: Kreative sollen nicht länger eine Maschine zum Aufbringen von Farbe und eine zweite zum Ausschneiden der fertigen Form benötigen. Der M2 verbindet austauschbare Diodenlaser-, Infrarotlaser- und CMYK-Tintenstrahlmodule mit kameragestützter Positionierung und soll so Print-and-Cut zu einem durchgängigen Arbeitsablauf machen.
Damit ist der M2 interessanter als eine gewöhnliche Leistungssteigerung. xTool verwischt hier bewusst die Grenzen zwischen Lasercutter, Schneideplotter und Desktop-Drucker. Für kleine Werkstätten kann das sehr nützlich sein – sofern klar ist, was wirklich integriert wurde und wo Kompromisse bleiben.
Was der xTool M2 tatsächlich kombiniert
Die Basismaschine unterstützt blaue Diodenlasermodule mit 10W oder 20W zum Gravieren und Schneiden. Laut xTool schneidet die 20W-Version bis zu 10 mm starkes Linden-Sperrholz in einem Durchgang, die 10W-Version bis zu 8 mm. Beide arbeiten auf 426 × 320 mm und erreichen eine Bewegungsgeschwindigkeit von bis zu 600 mm/s.
Zwei optionale Köpfe erweitern den Einsatzbereich:
- Ein 3W-Infrarotmodul mit 1064 nm ist zum Markieren von Metallen und ausgewählten Kunststoffen vorgesehen.
- Ein CMYK-Tintenstrahlmodul ermöglicht Vollfarbdruck mit laut Hersteller 1200 dpi und maximal 150 mm/s.
Wichtig ist: Es handelt sich um ein Gehäuse mit austauschbaren Modulen, nicht um Laser und Drucker, die gleichzeitig arbeiten. Der Vorteil liegt im gemeinsamen Koordinatensystem. Eine Übersichts- und eine Nahbereichskamera helfen der Software, das Material zu erkennen, Motive zu platzieren und die Ausrichtung beim Wechsel vom Drucken zum Schneiden beizubehalten. Für diesen kombinierten Ablauf nennt xTool eine Genauigkeit von höchstens 0,3 mm Abweichung.
Warum Farbe den Laser-Workflow verändert
Eine klassische Diodenlasergravur erzeugt Kontrast durch Verbrennen, Abtragen oder Verfärben der Oberfläche. Das eignet sich hervorragend für Linien und natürliche Strukturen, kann aber keine vollfarbige Illustration reproduzieren. Farbige Schilder, Etiketten oder Verpackungen werden deshalb meist separat gedruckt, anschließend umgelegt und per Hand oder Passermarken ausgerichtet.
Der M2 soll genau diesen Übergang beseitigen. Motive können auf Lindenholz, Papier, Klebeetiketten, Fotopapier, Acryl oder Leinwand gedruckt und danach auf demselben Arbeitstisch ausgeschnitten werden. Das ist interessant für individuelle Sticker, Cake-Topper, Schlüsselanhänger, Markenverpackungen und mehrschichtige Wandbilder – besonders bei wiederholten Kleinserien.
Die stärkste Idee des M2 ist daher nicht einfach „Laser plus Tintenstrahler“, sondern die weitgehend automatische Registrierung, also die präzise Ausrichtung mehrerer Bearbeitungsschritte.
Die Grenzen sind wichtig
Der M2 ist keine universelle Fertigungsmaschine. Das CMYK-System arbeitet mit wasserbasierter Farbstofftinte; xTool empfiehlt ausdrücklich, fertige Drucke von Wasser fernzuhalten. Außenschilder, Trinkgefäße und häufig berührte Produkte benötigen daher möglicherweise eine geeignete Schutzschicht. Deren Verträglichkeit mit Tinte und Material sollte vorher getestet werden.
Auch das Zubehörsystem hat Grenzen. Laut aktueller xTool-FAQ unterstützt der M2 weder Erhöhungsbasis noch Förderband oder Wabenplatte. Gesteuert wird er mit xTool Studio statt LightBurn, was für erfahrene Anwender eine deutliche Umstellung sein kann. Die optionalen Module sind speziell für den M2 gebaut und nicht mit Werkzeugköpfen anderer xTool-Geräte austauschbar.
Die Laserklasse 1 ist für ein wohnraumorientiertes Gerät erfreulich, macht Laserarbeiten aber nicht risikofrei. Beim Schneiden können weiterhin Flammen, Rauch und gefährliche Dämpfe entstehen. Nötig sind Aufsicht, passende Absaugung und nachweislich lasergeeignete Materialien. Rückstände im Gehäuse sollten regelmäßig entfernt werden, um die Brandgefahr zu reduzieren.
Schnitttiefen, Druckgenauigkeit und Materialangaben stammen zudem vom Hersteller. Unabhängige Tests müssen noch zeigen, wie zuverlässig die Ausrichtung bleibt, wie haltbar die Tinte ist und ob der Wechsel zwischen rauchiger Laserbearbeitung und präzisem Tintenstrahldruck zusätzliche Wartung verursacht.
Für wen eignet sich der M2?
Am interessantesten wirkt der M2 für Kreative und kleine Unternehmen, deren Produkte Farbe und Kontur verbinden: personalisierte Schilder, Eventdekoration, Verpackungen, Etiketten, Anhänger und Kleinserien. Dort kann der entfallende Ausrichtungsschritt mehr Zeit sparen als ein weiterer Leistungssprung beim Laser.
Weniger überzeugend ist er für Werkstätten, die dicke Materialien, lange Werkstücke, hohe Stückzahlen oder einen etablierten LightBurn-Ablauf benötigen. Für diese Nutzer sind Erweiterbarkeit und freie Softwarewahl oft wichtiger als integrierter Farbdruck.
Ein wichtiger Schritt – mit offenen Fragen
Der xTool M2 zeigt, wohin sich Desktop-Laser entwickeln. Leistung und Geschwindigkeit bleiben wichtig, doch Workflow-Automatisierung wird zum spannenderen Wettbewerb. Kameras, wechselbare Werkzeugköpfe und softwaregesteuerte Ausrichtung können mehrere spezialisierte Schritte in einen wiederholbaren Prozess überführen.
Wenn der M2 dauerhaft präzise ausrichtet und die Wartung des Drucksystems überschaubar bleibt, könnte er farborientierten Kreativen den Weg vom Entwurf zum fertigen Produkt deutlich erleichtern. Noch ist er eine vielversprechende neue Maschinenkategorie – aber kein Ersatz für jeden Lasercutter, Drucker oder Schneideplotter.

